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Abenteuer Asien


Mittwoch, 21. April 2010
Bauarbeiten
By ralfweyda, 14:01

Liebe Leser,

obwohl mein Engagement in Asien nun zu Ende ist, möchte ich gerne weiter bloggen. Es gibt so viele Themen aus Politik, Gesellschaft und Alltag, zu denen ich gerne meine Meinung sagen möchte.
Hier in diesem Blog wäre der thematische Bruch aber zu gewaltig. Außerdem habe ich einiges Material im Kopf, welches zum Thema Singapore der Aufarbeitung harrt. Ich befürchte ein thematisches Durcheinander, das ich niemandem zumuten will.
Also habe ich mich entschlossen, ein zweites Weblog zu eröffnen, welches mehrere Seiten bietet und ich so die Themen schön sauber auseinander halten kann:

Bitte hier klicken!

Viel Spaß und bis neulich!

Ralf

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Freitag, 19. März 2010
Wieder zuhaus'
By ralfweyda, 17:38

Manchmal habe ich Angst vor dieser Verkettung von Umständen, die mich an eine unheimliche Verschwörung oder selbsterfüllende Prophezeiung denken lässt. Oder einfach nur "Warum gerade ich?"...

Zwangsläufig war der Flug nach Deutschland, der vorläufig letzte seiner Art, solch ein merk- und denkwürdiges Ereignis. Doch der Reihe nach:

Ich verbrachte den Tag - es war Donnerstag, der elfte März - ziemlich gelöst und in guter Stimmung mit den letzten Aufräumarbeiten. Es war nicht mehr sehr viel zu tun, denn die Wohnung befand sich in einem sehr soliden Zustand der Grundordnung und Sauberkeit. Der Kühlschrank war leer, ich begann also den Tag mit einem ordentlichen Frühstück im 688 Eating House, traditionell gönnte ich mir zwei Roti Prata.
Die letzten Arbeiten gingen recht flott von der Hand. Nebenher komplettierte ich das Reisegepäck, wobei ich auf das Gewicht achten musste, denn die große deutsche Fluggesellschaft gönnte mir nur ein freies Gepäckstück zu zwanzig Kilogramm und zusätzlich ein Stück Handgepäck.
Im Laufe der Zeit erflog ich mir ein erkleckliches Meilenkonto, das ich aber seltsamerweise nie so richtig für meine Belange einsetzen konnte. Entscheidende Meilen, um in den Genuss von so genannten Buchungsupgrades zu kommen, wurden mir mit Hinweis auf falsche Buchungsklassen nicht angerechnet. Na ja, das Kleingedruckte halt...
Ich fragte also an, ob ich nicht für ein paar zehntausen Meilen mehr Gepäck mitnehmen könne. Doch bis auf einen Sack voller Werbeprospekte kam da nichts wirklich Hilfreiches. Und Übergewicht beim Gepäck wird konsequent und reichlich abkassiert, auf dieser Strecke mit vierzig Euro pro Kilogramm. Da lohnt sich direktes Wegwerfen am Flughafen eher.


Keine Montage, sondern reale Szenerie unweit Boat Quay

Es war nun alles vorbereitet zur Übergabe der Wohnung. Ich ging noch einmal für ein verspätetes Mittagessen außer Haus.
Die Übergabe der Wohnung selbst war nach wenigen Minuten erledigt, denn der Zustand ließ keine Wünsche seitens des Vermieters offen. Ich verabschiedete mich vom Vermieter und vom Makler, rief mir ein Taxi und fuhr zum Flughafen.
Die Maschine sollte fünf nach halb zwölf abends starten. Fünf nach elf sollte das Boarding beginnen. Sollte...
Es wurde fünf Minuten nach elf,  zehn nach elf, nichts. Plötzlich "dingdong - Liebe Fluggäste, wir haben ein kleines Problem, die Maschine verliert Treibstoff..."
Ich war erleichtert, dass diese Malaise noch am Boden bemerkt wurde und nicht erst später. Die Fehlersuche zog sich hin, und bald war mir klar, dass ich meinen Anschlussflug in München verpassen würde.

Mit zweistündiger Verspätung hob die Maschine dann doch ab. Es war ein sehr ruhiger Flug ohne Turbulenzen. Die Flugbegleiter boten einen ausgezeichneten Service und hatten auch immer Bier dabei.
Der Treibstoff reichte bis München, und so landeten wir exakt auf die Minute zu der Zeit, als mein Anschlussflug nach Leipzig startete. Kurz vor der Landung wurden die Fluggäste über die Umbuchungen informiert. Flug um Flug wurde aufgezählt, nur Leipzig war nicht dabei...
Am Ticketschalter wurde dann aber doch sehr unkompliziert die Umbuchung vorgenommen. Ich hatte nun fast dreieinhalb Stunden Zeit und frühstückte erst einmal ausgiebig. Der Kaffee war gut, der Preis eher nicht.
Irgendwann begab ich mich zur Sicherheitskontrolle. Dort wurde ich dann gebeten, recht viele Sachen abzulegen oder auszupacken. Laptop, externe Festplatten, Pullover, Gürtel, Brieftasche, Händi und Kleinkram landete in der Schale. Es war schon ungewöhnlich, denn anderenorts reicht es, den Laptop aus dem Rucksack zu nehmen. Da darf der andere Plunder im Rucksack bleiben. Na gut, andere Länder, andere Sitten.
Ich packte also alles wieder ein und zog den Gürtel in die Hose. Der Rest war Formsache, der Flug nach Leipzig war ruhig.

Meine Familie war da und begrüßte mich überschwenglich und überglücklich. Ein schönes Gefühl, wieder zu Hause zu sein! Die kurze Autofahrt nach Hause genoss ich mit Sekt und Schnittchen im Fond des Autos und kam mir fast dekadent vor.
Zu Hause angekommen, packte ich aus. Das Händi des Arbeitgebers nebst Zubehör wollte ich zu der übrigen Technik tun und suchte nun den Laptop...
Langsam reifte die Erkenntnis, dass ich das Firmengerät unterwegs verloren hatte.
Also rekapitulierte ich, von meiner Familie zum Ruhigbleiben aufgefordert, dass ich das Teil zuletzt an der Sicherheitskontrolle des Münchner Flughafens in der Hand hatte. Geschah da nicht erst unlängst ein Zwischenfall mit einem Laptop?
Mit gemischten Gefühlen rief ich im Fundbüro des Flughafens an. Der freundliche Mitarbeiter hatte das Gerät bereits vorliegen. Nach der Identifikation klärten wir die Rückführung. Völlig unbürokratisch und wohlbehalten gelangte der Laptop wieder zu mir.

War das Geschehen nun alles nur purer Zufall, oder wusste da jemand Höheres, dass es sich um meinen vorerst letzten Flug von Asien nach Deutschland handelte?

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Mittwoch, 10. März 2010
Letzte Meldung
By ralfweyda, 17:45

Hallo, liebe Leser,

der Koffer ist gepackt, es ist alles organisiert und vorbereitet.
Morgen mache ich noch ein wenig Budenzauber, dann übergebe ich die Wohnung und die dazugehörigen Schlüssel.
Ich freue mich wie verrückt auf meine Heimkehr und habe bei ein paar Bierchen heute Abend eine Träne durchs Knopfloch gedrückt. Etwas Wehmut ist ja doch dabei, das gebe ich ehrlich zu.
Das letzte Tiger hat trotzdem geschmeckt, die "Henkersmahlzeit" war ein köstliches Mutton Curry mit Reis und Gemüse. Noch einmal so richtig gut Indisch...

Letzter Gruß aus Singapore,

Ralf

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Sonntag, 07. März 2010
Pause
By ralfweyda, 16:10

Liebe Leser,

morgen wird mein Internetzugang hier in der Wohnung abgeschaltet. SingTel ist mir damit sehr entgegengekommen, es ist der spätestmögliche Zeitpunkt, den sie akzeptieren konnten. Die Schlussrechnung wird mich nicht mehr erreichen, aber einen Tag nach der Abschaltung kann ich den Rechnungsbetrag telefonisch erfragen und dann überweisen.

Schön und sehr praktisch ist, dass meine Prepaidkarte noch funktioniert. Also werde ich am Dienstag die Rechnung am Geldautomaten bezahlen, noch etwas Bargeld abheben und anschließend zur Bank gehen, um die Auszahlung des restlichen Geldbetrages in Euro zu beantragen. Am Mittwoch werde ich mein Bankkonto auflösen und am Donnerstag die Wohnung übergeben.
Die Vorbesichtigung durch den Vermieter und den Makler verlief erfreulich, was auf eine reibungslose Übergabe am Donnerstag schließen lässt.

Bis zum Abflug werde ich hin und wieder bei Starbuck's zu Gast sein, um den kostenlosen Hotspot zu nutzen. Ob es noch für den einen oder anderen Beitrag hier reicht, ist ungewiss.
Sicher ist aber, dass ich noch jede Menge Stoff im Kopf habe und ihn hier in weiteren Beiträgen verarbeiten werde.

Herzliche Grüße aus Singapore,

Ralf

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Mittwoch, 03. März 2010
Wieder "Tourist"...
By ralfweyda, 07:12

In der vergangenen Woche schrieb ich ja schon, dass ich meinen Employment Pass zurückgeben müsse. Gestern nun habe ich dem Ministry of Manpower einen Besuch abgestattet. Ich befürchtete längere Wartezeiten und entschied mich daher, um die Mittagszeit dort einzutreffen. Ich vertraute darauf, dass der gewöhnliche Singaporer um diese Zeit das macht, was alle Menschen machen: Mittagessen!
Auf der Homepage des MOM hatte ich bereits vorher recherchiert und herausgefunden, dass es dort keine Mittagspause gibt. Die armen Mitarbeiter...

Ich fuhr also nach Chinatown. Der kürzeste Weg führt über den Ausgang D der MRT-Station quer durch das Peoples Park Centre. Dort kommt man im Erdgeschoss an einem Foodcourt vorbei. Ich kam nicht vorbei, sondern musste anhalten, weil ich hungrig wurde. Also spendierte ich mir eine Portion Roasted Chicken Rice, dazu einen frischen Wassermelonensaft.
So gestärkt querte ich noch zwei Straßen und stand mitten im Arbeitsministerium.

Ich reihte mich in die überschaubare Warteschlange ein und konnte nach knapp zehn Minuten mein Anliegen vortragen. Von der netten Dame erhielt ich einen Beleg mit einer Nummer und die höfliche Aufforderung, mich in den zweiten Stock in die entsprechende Wartezone zu begeben. Dort angekommen, registrierte ich vier geöffnete Schalter und keine Wartenden. Nach zwei Minuten war ich auch schon dran. Der Verwaltungsakt bestand aus der Entgegennahme der Kündigungsbestätigung meiner Firma, dem Einzug meiner Arbeitserlaubnis und dem Ausdrucken der Bestätigung über das Erlöschen besagter Erlaubnis. Zusätzlich erhielt ich noch ein Visum bis zum ersten April, welches ich bei der Ausreise vorlegen muss.
Der gesamte Vorgang dauerte fünf Minuten, begleitet von einer kleinen Plauderei mit der netten jungen Dame am Schalter.

Auf dem Rückweg querte ich wieder Peoples Park Centre und entschloss mich, endlich einmal einen richtigen Frisiersalon aufzusuchen. Es war wirklich höchste Zeit, und bisher kannte ich nur diese Schnellschnittkabinen in den Einkaufszentren.

Ich fragte also nach Waschen und Schneiden. Der junge Mann bejahte freudig und bat mich, Platz zu nehmen. Irritiert fragte ich erneut nach einer Haarwäsche. Er erklärte mir, dass er erst schneiden und danach waschen wolle. Das macht ja auch Sinn, allerdings kenne ich diese Reihenfolge bisher so nicht.

Das Schneiden ging recht zügig voran, danach folgte die Wäsche. Der Maestro kam mit einer Flasche Shampoo und einer Flasche Wasser. Mit gemischten Gefühlen beobachtete ich, was er da anstellte. Er wusch mir den Kopf, dann ging diese Haarwäsche unvermittelt in eine halbstündige Massage von Kopfhaut, Schläfen, Nacken, Schultern, Oberarmen und Rücken über...

Herrlich! Ein Genuss!
Damit hatte ich nicht gerechnet. Wer erwartet schon eine Massage beim Haareschneiden? Ich bedauere jetzt, dass ich nicht schon viel früher auf diese Idee kam, einen richtigen Salon aufzusuchen.

Anschließend folgte das Spülen, Fönen und ein wenig Korrekturschnippeln. So war ich nach einer Stunde fertig und fühlte mich frischer denn je.
Für den ganzen Spaß verlangte der Meister zweiundzwanzig Singaporedollar. Ein echtes Schnäppchen!

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Montag, 01. März 2010
Böses Foul
By ralfweyda, 16:08

Heute war nun also mein erster Tag als "freier Mann"...
Ich nutze die Zeit, um ein wenig Ordnung zu schaffen, denn irgendwann in den nächsten Tagen kommt der Makler, um einige Fotos für seine interessierte Kundschaft zu schießen. Am Freitag will sich dann auch der Vermieter sehen lassen, um sich vom Zustand der Mietsache zu überzeugen und die Rückzahlung der Kaution zu veranlassen.

Nebenher beschäftigte ich mich mal mit der Zukunft. Ich schrieb ja unlängst schon von ersten Erlebnissen mit den Arbeitsagenten. Nun stöberte ich auf der Agenten-Homepage nach den Voraussetzungen für den Erhalt unterschiedlicher Leistungen.
Da ich mich in der Vergangenheit auf mündliche Zusagen verließ, kümmerte ich mich angesichts einer vermeintlich gesicherten Weiterbeschäftigung im Falle der Rückkehr nach Deutschland auch nicht um irgendwelche Anwartschaften.
Da ich in den letzten zwei Jahren nur auf eine zehnmonatige sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Deutschland zurückblicken kann, habe ich keinen Ansprucht auf die Zahlung von Arbeitslosengeld.

Das bedeutet, dass ich wahrscheinlich sofort in den Dunstkreis "Hartz IV" falle...

Ein halbes Jahr werde ich mit den Ersparnissen hinkommen, in dieser Zeit muss ich eine Alternative gefunden haben.
Die menschenunwürdige Hartz-IV-Praxis ist jedenfalls keine Perspektive für mich.

Kopf hoch, auch wenn der Hals noch so dreckig ist! Ich schaue mal, dass ich aus diesem Auslandseinsatz ein wenig Kapital schlagen kann.

Optimistische Grüße,

Ralf

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Samstag, 27. Februar 2010
The Morning After
By ralfweyda, 17:02

Ja ja, der Morgen danach...
Er beginnt schon gegen halb zwölf, und er ist gar nicht so schlimm. Ich schwatze noch kurz mit meiner Frau, dann mache ich mich auf den Weg gen Woodlands Causway Point, um den nächsten Versuch zu wagen, meinen TV-Internet-Telefon-Anschluss abzumelden.

Samstags scheint die ganze Insel auf den Beinen zu sein, und ich vermute, dass sich die Hälfte der Bevölkerung im SingTel-Laden trifft. Nach einer Stunde Wartezeit bin ich dan dran, und ich kann ziemlich schnell mein Anliegen auf den Punkt bringen. Natürlich geht es nicht, mir die Rechnung nach Deutschland hinterher zu schicken, ich habe ja auch keine Kaution bezahlt.
Aber die junge Dame bietet mir an, den Anschluss zum achten März stillzulegen, und am neunten den Rechnungsbetrag zu erfragen und einfach zu bezahlen. Sehr schön, so bin ich dann nur maximal drei Tage auf Starbuck's angewiesen. Das kenne ich ja noch aus der Anfangszeit hier, und es war keine schlechte Zeit.
Und wenn ich schon mal da bin, gehe ich gleich noch in den Supermarkt, ein paar Dinge einkaufen. Schwarzbrot, ungarische Salami und Gouda, dazu ein Fläschchen Roten, man gönnt sich ja sonst nichts.

Mit ein wenig Hausarbeit vertreibe ich mir die Zeit bis zum Abendessen. Ich weiß noch nicht so richtig, wohin ich fahren soll. Ich entschließe mich dann doch für Chong Pang City in Yishun. Es sind nur drei Stationen mit dem Bus, aber zu Fuss dann doch zu weit, weil der Bus auf der Gambas Avenue ziemlich lange mit hoher Geschwindigkeit unterwegs ist.
Ich habe Bock auf Indisch und bestelle mir Chicken Briyani, Hähnchen mit buntem Reis. Der Reis wird mit Chili und Curry gewürzt und erhält so seine gelbe und rote Farbe. Dazu eine schöne scharfe Sauce, und fertig ist ein feines Gericht. Ich bestelle mir ein Bier und genieße das Essen.

Im Fernsehen läuft Chelsea gegen Manchester City. Ich schaue gebannt zu, es sieht wirklich schön aus, was die Ballkünstler da auf den Rasen zaubern.



Es scheint, dass Chelsea auf eigenem Platz ordentlich auf die Mütze bekommt. Aus deutscher Sicht bleibt anzumerken, dass Ballack dreimal auffällt. Einmal positiv, weil er doch einen Schuss auf das gegnerische Tor hinbekommt, allerdings einen aus der Abteilung "Wie schieße ich Torhüter berühmt?". Aus dreißig Metern Entfernung fliegt der Ball in etwa einem Meter Höhe direkt in die Arme des Torhüters aus Manchester. Der lässt sich spektakulär abrollen und anschließend feiern.

Zweimal fällt Ballack negativ auf, beim zweiten Mal muss er den Platz verlassen.
Chelsea bekommt kurz vor Spielende noch einen Elfer zugesprochen, was ihnen allerdings nicht wirklich nützt. Die Mannschaft verliert auf eigenem Platz 2:4 gegen Manchester City, und ich stelle nach vier Bier belustigt kichernd fest, dass ich mich eigentlich doch gar nicht für Fußball interessiere...

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Der Letzte Arbeitstag
By ralfweyda, 12:42

Er liegt nun hinter mir, der vorerst letzte Arbeitstag hier in Singapore. Es war ein teilweise erfolgreicher Tag, wenn ich an die zu regelnden Angelegenheiten denke.
Auf der Habenseite steht die Klärung der Rückgabe meiner Arbeitserlaubnis.
Mit dem Erlöschen meines Arbeitsvertrages hier verliert dieser Employment Pass seine Gültigkeit. Die Kanzlei hat beim Ministry Of Manpower, dem Arbeitsministerium, schon alles Notwendige eingeleitet, so muss ich in der kommenden Woche nur noch im MOM erscheinen und meinen Employment Pass abgeben. An seiner Stelle erhalte ich ein normales Touristenvisum, die Immigration Card, und darf dann noch 30 Tage hier verweilen.

Außerdem habe ich eine sehr elegante Lösung für das Strom- und Wasserproblem in der Wohnung gefunden. Ich möchte ja am Tag des Abfluges noch ganz profane Dinge tun, zu denen es vorteilhaft scheint, beide Medien noch zur Verfügung zu haben.
Also rief ich beim Anbieter SPServices an und fragte konkret nach dieser Möglichkeit. Der nette junge Mann am anderen Ende der Telefonstrippe war erst ein wenig verwirrt. Also fragte ich konkret nach der Möglichkeit, mir die Schlussrechnung nach Deutschland zu schicken, da ich ja eine Kaution zu Vertragsbeginn gezahlt hätte.
Natürlich sei das möglich, beschied mein Gesprächspartner. Er schlug sogar vor, aus Gründen der Versorgungssicherheit die Leistung erst am zwölften März, dem Tag nach meiner Abreise, einzustellen.
Gesagt, getan. Rechnungsanschrift und Bankverbindung für einen eventuellen Restbetrag der Kaution - davon werden die letzten ausstehenden Beträge abgezogen - einfach per E-Mail geschickt, fertsch!
Das nenne ich Kundenservice par excellence!

Nicht ganz so glatt lief es dagegen mit der Kündigung meines TV-Breitband-Telefon-Bundles bei SingTel. Die Dame von der Hotline war sehr nett und freundlich, sprach aber ihr Englisch mit einem sehr schwer verständlichen Akzent. Nach einer halben Stunde eröffnete sie mir, dass ich meinen Vertrag nur in dem Laden kündigen könne, in dem ich ihn abgeschlossen hätte. Also war ich gleich morgens im Laden. Dort sagte mir die nächste nette freundliche Dame, dass ich nur kündigen könne, wenn ich die Set-Top-Box mitbrächte...
Dieses Vorhaben verschob ich dann auf das Wochenende,

Nach so viel Arbeit wurde ich hungrig und besuchte zum vorerst letzten Mal die Kantine. Es gab, fast schon traditionell zu nennen, die herrlichen Dumpling Ban Mian, Nudelsuppe. Einmal in der Woche muss ich die einfach haben!
Auf dem Rückweg traf ich dieses Schmuckstück:



Den Truck hatte ich schon öfter gesehen, dabei fiel mir auch irgendwann das schmucke Interieur auf. So bequeme Fahrersitze muss man zu Hause in Deutschland sicherlich lange suchen...



Ich kann ja auf ein recht buntes Vorleben zurückblicken, und so fühle ich mich gerade an meine Zeit als Trucker erinnert und stelle mir eben das Gesicht eines deutschen Polizeibeamten vor, bei dem ich mit so einer Perle zur Polizeikontrolle vorfahren würde. Köstlich! Andere Länder, andere Sitten.
Dieses Fahrzeug ist, übrigens wie die große Mehrzahl der auf den Straßen Singapores anzutreffenden großen LKW, in Malaysia beheimatet.

Zurück im Büro hatte ich dann noch mit Aufräumarbeiten zu tun. Die verbliebenen Akten und Ausrüstung musste verpackt werden. Da ich schon ganz ordentlich vorgearbeitet hatte, ging das recht zügig.
Nettes Detail: auf dem Gang lief mir eine nette Kollegin der Partnerfirma in die Arme und eröffnete mir, dies sei ihr letzter Tag in dieser Firma. Sie hätte eine neue Arbeit gefunden, mit besseren Bedingungen und kürzerer Arbeitszeit. Nebenbei, mir fiel schon auf, dass gerade Rosalind meist elf oder zwölf Stunden täglich arbeitete.
Als ich ihr sagte, dass dies ein schöner Zufall sei, weil auch ich meinen letzten Tag hätte, war sie doch ein wenig erschrocken. Offensichtlich hatte sich noch nicht jede Neuigkeit auch überall herumgesprochen...
Wir wünschten uns also gegenseitig alles Gute und verabschiedeten uns.

Nun mischte sich doch ein wenig Wehmut in meine Gemütslage, aber nur kurz. Ich beschloss, nachdem nun alles erledigt war, die letzte Stunde nicht mehr "abzusitzen", sondern mich zu verabschieden und zu gehen. Ich hielt mich nicht lange auf, denn solche Abschiedszenen mag ich nicht.
Da auch nicht alles Gold ist, was glänzt, überwiegt die Freude. Vielleicht werde ich später noch einiges zu meinen Erfahrungen speziell in dieser Beziehung schreiben, vorerst blende ich dieses Kapitel noch aus.

Abends beschloss ich dann, den Tag würdig ausklingen zu lassen. Ich besuchte 888 Plaza und hatte ein tolles Abendessen. Ich gönnte mir Kail Lan Sliced Fish, gebratenen vietnamesischen Wasserspinat mit Fisch, und die Tintenfischringe,  Butter Sotong.
Dazu gab es ein wenig Bier...



Jede dieser Schönheiten hat ein Fassungsvermögen von 0,633 Litern.
Falls jetzt der eine oder andere verehrte Leser aus der Zahl der Flaschen auf ein Frustbesäufnis schließt, so sei ihm versichert, dass Biertrinken für mich immer eine Freude und Lust ist!
Und ja, ich habe sie alle alleine niedergerungen...

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Sonntag, 21. Februar 2010
Lion Dance in der Kantine
By ralfweyda, 06:23

Die Feiertage anlässlich Chinese New Year waren vorbei, und ich ging wieder ins Büro. Es sind ja noch allerhand Dinge zu erledigen, um die Firma anständig aufzulösen.
So ging es auch am vergangenen Mittwoch auf die Mittagszeit zu, und ich wurde hungrig. Meist warte ich noch bis kurz nach dreizehn Uhr, dann ist der Andrang in der Kantine vorbei.Ich wollte Dumpling Ban Mian essen, eine Nudelsuppe mit einer Art köstlich gefüllter Maultaschen darin. Also steuerte ich zielgerichtet den Stall an, wünschte der Lady "Happy New Year!" und bestellte. Während ich die Zubereitung  beobachtete, betrat eine Gruppe junger Leute die Kantine und baute ihre Trommeln auf. An dem mitgeführten Löwenkostüm konnte ich erkennen, dass es Lion Dancer waren.



Ich bekam mein Essen und suchte mir einen Platz. Kaum hatte ich mit dem Essen begonnen, schlüpften zwei von den Jungs in das Löwenkostüm und ein ohrenbetäubender Lärm von Trommeln und Becken begann. Dazu führte der Löwe seinen Tanz auf.



Es gibt in Singapore einen jährlichen Wettkampf um diesen Tanz, in dem die beste Tanzgruppe gekürt wird. Die Gruppen finanzieren sich auch aus Spenden. Und so kommt es, dass sie sich bei ihren Sponsoren mit einem Tänzchen bedanken. Der Tanz selbst soll Gesundheit, Glück und Wohlergehen bringen.
Der Tanz dauerte insgesamt etwa zehn Minuten.
So hatte ich zum Mittagessen gleich noch ein wenig Kulturprogramm, und die Nudelsuppe schmeckte gleich noch einmal so gut.



Mein Mobile Phone kann auch Sound aufnehmen, also habe ich mal mitgeschnitten, wie sich so etwas anhört. Die Soundqualität ist nicht hervorragend, aber Ihr gewinnt trotzdem einen Eindruck von der imposanten Geräuschkulisse. Es war sehr laut in der Kantine.
Den Sound habe ich in das mp3-Format umgewandelt und als Datei angehängt.

Übrigens, falls jemand fragt: Ja, ich esse die Nudelsuppe mit Stäbchen...
Natürlich gibt es einen Löffel dazu, aber ohne Stäbchen kann man die langen Nudeln nicht bändigen.

Herzliche Grüße aus Singapore,
Ralf

Angehängte Dateien:
liondance.mp3 liondance.mp3 (2466 kb)

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Montag, 15. Februar 2010
Einkommenssteuer
By ralfweyda, 11:29

Zur Abwechslung einmal ein recht trockenes Thema: die Einkommenssteuer.
Ich habe im vergangenen Jahr mein Bruttogehalt in voller Höhe ausgezahlt bekommen. Die Zahlung der Einkommenssteuer ist hier so geregelt, dass man erst im darauffolgenden Jahr veranlagt wird, die Einkommenssteuer für das abgelaufene Jahr zu zahlen. Als "Otto Normalverbraucher" zahlt man dann seine Steuerschuld zum Beispiel monatlich ab. In Singapore wird man in der Regel im März, spätestens im April von seiner Veranlagung informiert.
Da ich Singapore bald verlassen werde, muss ich meine Steuerschuld mit dem letzten Gehalt im Februar komplett begleichen. So generös ist der Stadtstaat nun auch nicht.
Ich bin vor wenigen Tagen mit einem netten Schreiben als neuer Steuerzahler willkommen geheißen worden...

Sehr viele Möglichkeiten, sein zu versteuerndes Einkommen zu senken, hat man nicht. Ein paar Sonderausgaben, das war es schon.

Singapore hat aber im Moment eine sehr schöne Steuertabelle:


Der Spaß an der Sache ist, dass jetzt das erzielte Jahreseinkommen in die einzelnen Bestandteile zerlegt wird und dann der entsprechende Betrag zu dem jeweiligen Steuersatz ermittelt und aufaddiert wird. So erreichen selbst Spitzenverdiener den Spietzensteuersatz von 20% nie, da die ersten zwanzigtausend Dollar nicht besteuert werden, die nächsten zehntausend dann mit 3,5% und so weiter.
So ergibt sich bei diesem netten Modell am Beispiel von einer Million Dollar Jahreseinkommen eine hübsche kleine Steuer von knapp 17,9 %:



Ich gebe ja zu, hier kein repräsentatives Beispiel ausgewählt zu haben. Mein eigenes will und darf ich nicht veröffentlichen.
Für die Neugierigen unter Euch habe ich aber die Tabelle als Datei angehängt, und Ihr könnt Euch selbst ausrechnen, wieviel Einkommenssteuer Ihr hier in Singapore zahlen müsstet.

Da ich als bekennender Linux-Fan Open Source Software nutze, habe ich die Tabelle mit Openoffice.org erstellt. Diese hat die Dateiendung "ods". Für Nutzer von Microsoft Office habe ich die Datei in das Excel-Format umgewandelt, sie hat die Dateiendung "xls".

Herzliche Grüße aus Singapore,

Ralf

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Update:

Inzwischen ist mein Steuerbescheid eingetroffen. Ein klein wenig mehr muss ich doch berappen, denn mir wird die Tatsache, dass die Firma die Miete für die Wohnung gezahlt hat, als geldwerter Vorteil zur Last gelegt. Damit habe ich die frappierende Situation, dass sich mein zu versteuerndes Einkommen um zehn Prozent erhöht hat.
Allerdings liege ich mit meinem persönlichen Steuersatz von nunmehr fast 6,9 Prozent deutlich unterhalb der Schmerzgrenze.

Das Leben ist schön!

Angehängte Dateien:
einkommenssteuer_singapore.ods einkommenssteuer_singapore.ods (14 kb)
einkommenssteuer_singapore.xls einkommenssteuer_singapore.xls (10 kb)

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Sonntag, 14. Februar 2010
Wenn man sich zu früh freut...
By ralfweyda, 17:36

Für den heuigen Sonntag hatte ich mir eigentlich eine besondere Köstlichkeit ausgesucht, weil mein Geburtstag ist. Da ich den weitab von meinen Lieben begehe, dachte ich mir, mit einer Gaumenfreude den Tag zu verschönern.

Heute ist ja der erste Feiertag von Chinese New Year. Traditionell ist das der einzige Tag des Jahres, an dem die Geschäfte geschlossen sind. Auch für einige Foodcourts trifft das zu, so dass es nicht einfach ist, eine passende Lokalität für das Abendessen zu finden. Ich fand Chong Pang City ganz in der Nähe. Dort hatte ich in der Vergangenheit bereits wunderschöne Krabben gesehen und wollte mir heute zur Feier des Tages eine gönnen. Aber wenn man sich zu früh freut...
 
Ich kam also dort an und erspähte noch ein Exemplar im Becken. Leider war die schon bestellt, und weitere Tierchen dieser Art gab es nicht.  So zog ich unverrichteter Dinge weiter.
Zum Glück hatte mir ja die indische Lady unlängst gesagt, dass ihr Stall (so heißen die kleinen Küchen nun mal hier) während der Feiertage in Betrieb ist.
Ich tröstete mich bei ihr mit einem herrlichen Chicken Curry.
Leider gibt es beim Bier auch einen Wermutstropfen. Feiertagspreise, die Flasche kostet statt der üblichen Fünffuffzich jetzt sechs Dollar. Schlau.

Ich werde wohl morgen noch mal den Versuch machen, eine Krabbe zu ergattern.

Liebe Grüße,
Ralf

P.S.: Mein Freund Frank hat mir eine Freude gemacht und mir zum Geburtstag einen Musikwunsch erfüllt:

Klick!

Schönen Dank, Frank!

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Freitag, 12. Februar 2010
Kulinarisches
By ralfweyda, 17:15

Man sagt uns Ostdeutschen ja eine gewisse Affinität zu gelben gebogenen Südfrüchten nach. Ich habe mir eigentlich nie viel aus diesen Bananen gemacht... Seit ich hier in Singapore bin, gestaltet sich dieser Fall allerdings ein wenig anders. Ich bin geradezu vernarrt in die kleinen gelben Dinger.
Sie sehen nur ein wenig anders aus, als das, was wir aus den heimischen Supermärkten kennen. Ich stieß auf meinen abendlichen Touren hin zu den Gourmettempeln immer wieder auf Obst- und Gemüsehändler. Nein, nicht die, die dem Herrn Thilo S. verquer im Magen liegen, sondern hier die ganz normalen Leute. Besonders gern kaufe ich mein Obst, wenn ich nach Marsiling fahre.
Dort sah ich sie dann auch, kleine Minibananen. Ich war neugierig auf den Geschmack und kaufte mir ein rundes Kilo. Der Preis ist mit einem Dollar für das Kilo natürlich angemessen.



Aber der Geschmack! Süßer und viel intensiver als bei einer deutschen Banane! Natürlich habe ich mir gestern wieder einige mitgenommen.

* * *

Heute gab es zum Abendessen eine Delikatesse. Die Franzosen essen davon nur die Schenkel, aber Chinesen verwerten von Tieren einfach alles. Sei es der Fischkopf oder die Hühnerfüße, alles gibt mindestens eine gute Suppe. Den Fischkopf zumindest kann ich bestätigen.

So ist es kein Wunder, dass sie vom Frosch nicht nur die Beine auf den Teller tun, sondern den ganzen Wanst. Ich habe mich getraut und mir einen Frosch bestellt, mit Ingwer und Frühlingszwiebeln.



Leider ist das Bild ein wenig unscharf, weil ich meine Kamera nicht dabei hatte und auf das Mobile Phone ausweichen musste.

Was soll ich sagen? Es war einfach lecker! Das Fleisch hat eine Konsistenz, die etwa zwischen Kaninchen und Fisch liegt, also äußerst zart aber fest. Der Geschmack ist leicht nussig und sehr angenehm. Wenn man den Anblick der lebenden Kreaturen in den Käfigen vergisst, hat man wirklich einen Hochgenuss.

Dazu hatte ich noch einen Teller Hong Kong Noodles, gebratene Nudeln mit Ei und Meeresfrüchten. Alles zusammen sehr lecker und mit rund 6 Euro ein Schnäppchen.

Für den Sonntag habe ich mir eine andere Köstlichkeit ausgesucht. Natürlich berichte ich auch davon.

Schönes Wochenende und Gong Xi Fa Cai,
Ralf

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Dienstag, 09. Februar 2010
Spaß mit dem Amt
By ralfweyda, 13:13

Zur Abwechslung habe ich hier eine witzige Geschichte, in der ein Amt in Deutschland die Hauptrolle spielt:

Es begab sich also, dass ich just die Nachricht vom Ende meiner Tätigkeit hier in Singapore erhielt, als ich gerade ein paar Tage wieder hier verweilte. Selbstverständlich nahm ich meine staatsbürgerliche Pflicht wahr und informierte das Arbeitsa... äh, die Agentur für Arbeit von meiner bevorstehenden Rückkehr nach Deutschland und der anschließenden Suche nach einem neuen Arbeitsplatz. Der bequemste und schnellste Weg ist wohl die Email, dachte ich mir, und verfasste folgende Depesche:

"Sehr geehrte Damen und Herren,

Seit dem 01. Januar 2009 arbeite ich bei einer Firma in Singapur. Zum 28.02.2010 ist dieser Vertrag gekündigt worden. Die Kündigung bewirkt das Erlöschen meiner Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis in Singapur.
Da ich bereits im Vorfeld einen regulären Flug nach Deutschland gebucht habe und eine Umbuchung aus Kostengründen nicht in Frage kommt, werde ich am 12. März 2010 wieder in Deutschland eintreffen.

Bitte teilen Sie mir mit, wie der weitere Verfahrensweg bezüglich meiner Meldung bei Ihnen ist und wie die Situation hinsichtlich eventuell bestehender Ansprüche meinerseits ist. Im Anhang finden Sie eine Kopie des Kündigungsschreibens sowie die Kopie der Buchungsbestätigung.

Mit freundlichen Grüßen..."

Damit meinte ich, mein Anliegen erst einmal auf den Punkt gebracht zu haben. Ich wollte eben wissen, was da so auf mich zu kommt.
Die Antwort ließ auch nicht lange auf sich warten und verschlug mir für einige Sekunden die Sprache, bevor ich laut losprustete.
Die Agenten schickten ein paar Unterlagen nach Hause mit der höflichen "Bitte", den beiliegenden Fragebogen ausgefüllt bis zum dritten Februar zurückzusenden und selbst mit vollständigen Bewerbungsunterlagen am achten Februar persönlich in der Agentur vorzusprechen. Natürlich vergaßen sie auch nicht, mir zu erklären, was mir passieren würde, falls ich irgend etwas vergessen sollte...

Ich hatte mich alsbald wieder im Griff, nur noch von gelegentlichen Heiterkeitsausbrüchen unterbrochen, ging ich also ans Werk. Ich verfasste - hin und wieder von Lachanfällen geschüttelt - einen Text, den ich zur Agentur faxen wollte. Er ist mir etwas länger geraten, weshalb ich hier nur auszugsweise zitiere:

"Sehr geehrte Damen und Herren,

offensichtlich ist mir durch den langen Aufenthalt im fremdsprachigen Ausland die Fähigkeit abhanden gekommen, mich in verständlicher deutscher Sprache auszudrücken. Das tut mir leid, und deshalb möchte ich nun noch einmal versuchen, mein Anliegen zu erläutern:..."


Es folgt dann die Beschreibung der singapurischen Firma inklusive der Registriernummer der Firma bei der hier zuständigen Behörde. Natürlich konnte ich mir nicht verkneifen, auf einen ganz wichtigen Umstand gesondert hinzuweisen:

"Singapur gehört nicht zur EU."

Dann noch einmal der ganze Sermon meine Aufenthaltsdauer betreffend, und weshalb ich nicht so ohne weiteres den Flug umbuchen könne. Nebenbei, ich erwähnte ja im letzten Beitrag schon, dass ich Selbstzahler bin und preiswerte Flüge bevorzuge. Die haben neben dem Preisvorteil aber nun mal auch den Nachteil, dass Umbuchungen ziemlich teuer werden. Ich hätte knapp fünfhundert Euro eingebüßt in diesem Fall. Dazu hätten sich noch die Kosten für das neue Ticket gesellt, was durch kurzfristige Buchung wohl kein Schnäppchen werden würde. Alles in allem also inakzeptabel, was ich der Agentur auch schrieb.
Doch ich bin nicht nur ein oller Meckerkopp, sondern mache auch hin und wieder, wenn ich gut gelaunt bin, konstruktive Vorschläge zur Lösung des Problems. In diesem Falle lautete der meine:

"Sie schicken mir ein Flugticket."

Hihi. Natürlich rechnete ich nicht wirklich damit. Aber um weiterhin guten Willen zu zeigen, ließ ich mir eine Seite des Fragebogens von meiner Frau hierher ins Büro faxen. Das Ergebnis war völlig unbrauchbar, wohl nicht zuletzt auch wegen der bescheidenen Papier- und Druckqualität der Vorlage. Also bat ich um die Zusendung neuer Unterlagen direkt nach Singapore, nicht ohne den Hinweis, bei einem neuen Termin"vorschlag" die postalischen Laufzeiten von und nach Singapore zu berücksichtigen. Ja, das Fax erreichte seinen Adressaten, und ich musste nicht lange auf eine Antwort warten:

"Der Ihnen vorgeschlagene Termin am 08.02.10 kann aufgrund Ihres Auslandsaufenthaltes nicht wahrgenommen werden.
Bitte melden Sie sich am 1. Tag Ihres Aufenthaltes in Deutschland (12.03.2010) persönlich in der Eingangszone der Arbeitsagentur..."

Ich erlaube mir, Euch an dieser Stelle daran zu erinnern, dass ich an meine erste Email die Kopie der Buchungsbestätigung der Fluggesellschaft angefügt hatte.
So stellte ich mir vor, wie ich vom Flughafen schnell zu Hause vorbeischaue, meine alte Bewerbungsmappe kralle und zu den Agenten eile. Ich sah mich in der Wartezone lümmeln, übermüdet, unrasiert und müffelnd. Nein, das konnte doch nicht sein...
Folgerichtig schrieb ich eine weitere Email, in der ich meiner Befürchtung, wegen des Langstreckenfluges von insgesamt fünfzehn Stunden geistig nicht so richtig aufnahmefähig zu sein, Ausdruck verlieh. Die Antwort sah dann so aus:

"Aufgrund der Öffnungszeiten ist eine Vorsprache am 12.03.2010 nicht möglich. Wir bitten Sie daher, am nächsten dienstbereiten Tag ( dem 15.03.2010) in Ihrer zuständigen Agentur für Arbeit vorzusprechen."


Ganz schön viel Aufwand, nur um jemandem zu sagen, dass er wohl beim ersten Mal nicht richtig gelesen hat, nicht wahr? Interessant auch zu lesen, wie sich die Agenten schrittweise an eine wohl für alle praktikable Lösung herangerobbt haben.

Nun bin ich ja kein Unmensch; und ich weide mich nicht am Schmerz der so Aufgelaufenen. Ich war also fair und habe die Agenten noch auf einen besonderen Umstand aufmerksam gemacht. Ich schrieb ihnen, dass ich seit dem Jahresbeginn 2009 keine Beiträge in die deutsche Arbeitslosen"versicherung" eingezahlt hätte.

Ich selbst mache mir da nichts vor, es wird nicht so furchtbar positiv für mich sein, was die Leistungsbereitschaft der Agenten angeht. Aber das bekümmert mich zur Zeit nur sekundär...

Ich habe so eine komische Vorahnung. Ich glaube, dass es noch viel Spaß geben wird.


Herzliche Grüße aus Singapore,

Ralf

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Samstag, 06. Februar 2010
Navigationshilfe
By ralfweyda, 17:50

Als kleine Hilfestellung für alle Leser, die gern schnell und bequem zum Beginn des Blogs im Februar 2008 kommen wollen, hier der Link:

Wie alles begann

Auf dieser Seite bitte dann bis ganz nach unten scrollen, et violá!


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Neues Jahr, neues Glück?
By ralfweyda, 17:19

Es ist eine Tatsache, der ich ins Auge sehen muss: auch im Urlaub behalten die astrophysikalischen Gesetze ihre Gültigkeit und verhängnisvolle Wirkung. So drehte sich die Erde weiter unverdrossen um sich selbst und legte ein gutes Stück auf ihrer Bahn um die Sonne zurück.
Will sagen, die Zeit verging wieder einmal viel zu schnell. So fand ich mich unvermittelt wieder hier in den Tropen, während zu Hause gerade ein wahres Wintermärchen seine Aufführung erlebt.


Hotel und Gasthof  "Zum Schwarzen Bär" in Hermsdorf/Thüringen


Meine Erlebnisse können gegensätzlicher nicht sein: bei einunddreißig Grad im Schatten habe ich hier in Singapore das Flugzeug bestiegen und bei frostigen minus acht Grad in Frankfurt verlassen. Die Heimat hatte eine eisige Umarmung für mich! Der Flug selbst war ein wenig unruhig. Ich erlebte erstmals, dass die Cabin Crew ihre Servicearbeiten auf Geheiß des Flugkapitäns einstellen musste. Glücklicherweise stellte sich heraus, dass die befürchteten Turbulenzen dann doch nicht so stark waren. Allerdings waren sie stark genug, mein Poloshirt mit Orangensaft zu verzieren.


Weihnachtlich geschmückte Kabine in der Boeing 747 der Singapore Airlines


Am darauffolgenden Tag besuchten wir den Weihnachtsmarkt in Gera. Es war knackig kalt, um die fünfzehn Grad unter Null. Doch mit genügend Löwenpunsch, einem köstlichen Mixgetränk aus Rotwein, Weißwein, Orangensaft und Gewürzen - durch eine kräftige Zugabe von Rum ordentlich straff eingestellt - sowie einigen Glühweinchen ließ sich die Kälte ertragen. Ich wage sogar zu behaupten, ich habe sie regelrecht genossen! Das perfekte Kontrastprogramm sozusagen...
Und jetzt bin ich hier und verfolge etwas wehmütig die Nachrichten vom Winter. Ein Wintermärchen! Es erinnert mich an die "gute alte Zeit(TM)", als ich noch Teenager war und selbst im Flachland beinahe jeder Winter so aussah. Und ich sitze hier und schwitze selbst beim Nichstun!

Na gut, es ist nicht zu ändern. Schaue ich also nach vorn. Au ja, da gibt es beachtliche Neuigkeiten. Mein nächster Flug nach Hause am elften März wird vorerst auch der letzte sein. Leider.
Es sieht so aus, als sei uns auf der Zielgeraden der Atem ausgegangen. Ihr werdet Verständnis haben dafür, dass ich an dieser Stelle keine betrieblichen Daten und Vorgänge veröffentliche. Zum Ende des Monats Februar ist die Firma geschlossen.

So habe ich jetzt jeden Tag ausgiebig damit zu tun, alles für die Beendigung unseres Engagements hier Erforderliche vorzubereiten und einzuleiten.
Keine Angst, für ein paar Beiträge wird es auch noch reichen. Die ersten elf Tage des März gibt es nicht mehr so viel zu erledigen. Nur ein wenig Hausputz, Telefon und Internet abmelden, mein Konto auflösen und die Wohnung übergeben. Da sollte noch Platz sein für ein paar Fototouren durch die Stadt, zumal dann Chinese New Year vorbei sein und alles wieder ruhiger und geordneter abläuft.

Dass ich noch ein paar Tage "frei" habe, liegt schlicht an meiner Ungeduld. Ich bezahle alle Flüge selbst, deshalb bin ich immer sehr an einer recht frühzeitigen Buchung interessiert. Dieses Drängen hat mir schon einige Scheinchen erspart. Nur mal so zum Vergleich: für meinen Flug im September mit Malaysia Airlines musste ich etwas weniger als fünfhundert Euro hinblättern, gebucht hatte ich den fast 4 Monate vorher. Für den Jahreswechsel versäumte ich wegen einiger Unklarheiten den passenden Termin und buchte nur acht Wochen im Vorraus. Für den Direktflug mit Singapore Airlines musste ich eintausend Euro löhnen, selbst Malaysia Airlines waren nicht preiswerter.
Also hielt ich um Weihnachten herum Ausschau nach einen günstigen Flug im März. Diesmal entschied ich mich wieder für Lufthansa, allerdings nicht mit Frankfurt als Ziel, sondern über München nach Leipzig. Das ist preislich auch nicht ungünstiger, als noch knapp vier Stunden mit der Bahn zu fahren. Der unbestritten größte Vorteil ist jedoch, dass ich bei dieser Variante meine Frau fast zweieinhalb Stunden früher in den Arm nehmen werde.

Am nächsten Wochenende ist Chinese New Year. Durch eine glückliche Konstellation sind es in diesem Jahr drei Feiertage: der vierzehnte, fünfzehnte und sechzehnte Februar. Ich beschrieb es schon früher, dass es die Regelung gibt, dass bei einem Feiertag am Samstag oder Sonntag der darauffolgende Werktag ebenfalls ein gesetzlicher Feiertag wird. Da der Montag schon gesetzlicher Feiertag ist, wird eben der Dienstag dafür verwendet. Das hat den unbestreitbaren Vorteil, dass sich mit drei Urlaubstagen eine ganze Woche Urlaub realisieren lässt. Natürlich nutzen die Firmen das und machen überwiegend Betriebsferien.


Überall wird jetzt die für ein ordentliches chinesisches Neujahrsfest nötige Dekoration angeboten

Diesmal wird das Jahr des Tigers begrüßt.
Ich weiß noch nicht, ob ich mir das Gedränge in der Bahn antue und in Richtung City fahre. Lieber sehe ich mir an, was hier in Woodlands geboten wird. Für einen neuen Bericht wird es wohl reichen.
Bis dahin.

Herzliche Grüße,
Ralf

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